Gespräch mit Roland Herzog «Der Durchhaltewille führte zu grosser Zufriedenheit.»

Roland Herzog ist Briefmarkenhändler und engagiert sich im Vorstand des Schweizerischen Briefmarken HändlerVerbandes SBHV. Er hat das verbandsübergreifende Projekt «Die Philatelie wieder sichtbar machen» initiiert.
Jean-Paul Bach: Wie viel Zeit verbringst du mit Briefmarken?
Roland Herzog: Mein Interesse an Briefmarken begann früh als kleiner Bub, der von seinem Vater in die Geheimnisse der Philatelie eingeführt wurde. Danach kam die Schule, Ausbildung, die Lehre und die Arbeit. Die intensive Sammlerphase kam bei mir ab ca. 40. 2012 legte ich den Grundstein, um Briefmarkenhändler zu werden. Seitdem verbringe ich fast nur noch Zeit mit Briefmarken.
Gelingt es dir, andere für die Philatelie zu begeistern?
Ich versuche immer, meine Freude an der Philatelie weiterzugeben. Am besten gelingt es mir in meinem Geschäft, wenn mich Kunden besuchen oder wenn Leute mir ihre Sammlung verkaufen wollen. Einige haben sogar angefangen, die Sammlung des Grossvaters weiter zu vervollständigen.
Sind Briefmarkensammler-Vereine noch zeitgemäss?
Die Vereine sind die Basis, um neue Sammler in die Philatelie einzuführen, zu begeistern und philatelistisch weiter zu bringen. Leider veranstalten heute viele Vereine nur Auktionen, Börsen und Schätzanlässe, um Geld zu verdienen und günstig an Ware zu kommen.
Wie wichtig sind dir internationale Kontakte zu anderen Philatelisten?
Sehr wichtig. Aber nicht nur zu Philatelisten, sondern auch zu anderen Händlern und Vereinen. Der Markt ist riesig und die Schweiz nur ein kleiner Teil davon.
Hast du besondere Erinnerungen oder Geschichten, die mit bestimmten Briefmarken in deiner Sammlung verbunden sind?
An einer Auktion habe ich in einem Posten einen Brief gesehen, den ich unbedingt haben wollte. Ich habe versucht, über den Auktionator und dann über den Käufer an den Brief heranzukommen. Leider ohne Erfolg. Auch an der Auktion war ich nicht erfolgreich und der Brief verschwand. Acht Monate später habe ich den genau gleichen Brief für ein paar wenige Franken bei ricardo kaufen können. Fazit: Wenn etwas in meine Sammlung kommen muss, dann kommt es – früher oder später! (Vielleicht auch nicht.)
Bist du mit der SBZ zufrieden?
Seit dem Redaktorenwechsel hat sich die SBZ nach verbessert. Die Themen, die Ausgaben zu einem bestimmten Thema und die Visualisierung der Schreibenden werten die SBZ auf.
Hast du an nationalen oder internationalen Ausstellungen teilgenommen? Welche Erfahrungen hast du dabei gemacht?
Ja, ich durfte letztes Jahr im Komitee der BERNABA 25 mitmachen. Als Verantwortlicher für die Börse und die Händler hat mir die Arbeit viel Spass gemacht. Der Aufwand war riesig und der Durchhaltewille wurde auf die Probe gestellt. Am Ende aber standen eine grosse Zufriedenheit und die Erkenntnis, dass man alles erreichen kann, wenn man nur will. Auch die Organisation vom Tag der Aerophilatelie 2024 in La Caquerelle war eine besondere Erfahrung. Mit nahezu 1’000 Besuchern ist uns ein Anlass gelungen, der seinesgleichen sucht und bis heute in dieser Kategorie nicht mehr erreicht worden ist.
Was denkst du über die Ausgabepolitik der Schweizer Post?
Wie für uns alle ist auch für die Schweizer Post der Markt nicht mehr leicht einzuschätzen. Eindeutig ist, dass die Ausgabepolitik dem Markt angepasst werden muss. Kleinere Auflagen, weniger Souvenirartikel und ein dem Durchschnittseinkommen des Sammlers angepasstes Jahresausgabenprogramm würden helfen. Trotzdem bin ich mit der Schweizer Post sehr zufrieden, der Philatelist ist immer noch wichtig und die Schweizer Marken sind immer noch ein kleines Kulturgut!
Wie siehst du die Rolle der Digitalisierung in der Philatelie?
In erster Linie wird das Suchen von Marken und Briefen extrem erleichtert. Auch die Veröffentlichungen philatelistischer Bücher, Artikel oder Schriften wird einfacher und führt zu mehr Information. Die Welt wird kleiner, wir müssen aber aufpassen, dass die zwischenmenschlichen Kontakte nicht verlorengehen.
Welche Herausforderungen siehst du in der Philatelie?
In Zeiten, da unser Hobby nicht mehr von Massen von Sammlern betrieben wird, ist es extrem wichtig, die Philatelie neu zu denken. Wir müssen neue Wege finden, um Nicht-Philatelisten anzusprechen und zu begeistern. Neue Ausstellungen und Regeln sollen neue Menschen über unser Hobby informieren und neue Kontakte schaffen. Eine Zusammenarbeit unter den Verbänden, Vereinen und deren Mitgliedern ist unerlässlich und wird von den Verbandsspitzen bereits gelebt. Jeder von uns ist gefordert, in seinem Umfeld die Philatelie wieder sichtbar zu machen. Das Schlüsselwort dazu heisst TUN!
