«Dieser Brief gehört in Ihre Sammlung!»

Rolf A. Kissling
Als Präsident des Schweizerischen Philatelisten-Vereins Basel, gegründet 1882, und Präsident CH der Regio-Phila mit 30 Vereinen in D, F und CH setzt er seine Kraft für die regionale Stärkung der Philatelie ein und versucht auch, die historischen Verbindungen aufzuzeigen.
Als Posthistoriker und Architekt ist er Mitverfasser des preisgekrönten Buches «Die Stempel von Basel bis 1850».
Jean-Paul Bach: Was wird in deinem Kanton philatelistisch geboten?
Rolf Kissling: Als ältester Philatelisten-Verein in der Schweiz bieten wir Briefmarkensammlern und Philatelisten eine Gelegenheit, sich mit Gleichgesinnten philatelistische Gedanken trinational auszutauschen und auch mit unserer Website www.philatelisten-basel.ch zu verbreiten. Hier der Link auf einen Beitrag von Telebasel:
https://telebasel.ch/sendungen/mein-verein/ 232523 (bis heute 32x im Telebasel ausgestrahlt) https://www.youtube.com/ watch?v=JJjLWRGD1po
Wie viel Zeit verbringst du mit den Briefmarken?
Für meine zukunftsorientierten nationalen und internationalen Aktivitäten bin ich zirka drei Tage pro Woche aktiv.
Ist es für dich wichtig, Vereinsabende im Briefmarkensammlerverein zu besuchen?
Ja. Es ist auch wichtig, die Mitglieder bei sozialen und gesundheitlichen Sorgen in persönlichen empathischen Gesprächen zu unterstützen. Auch in der Zeit einer Pandemie wurde es bestätigt: Die Philatelie ist eine entspannende Tätigkeit, welche Sinn und Geist anregt. Die Vielfältigkeit von Wissen, Freude und Besitzerstolz hilft in der Hobbybearbeitung und entspannt.
Die Bereitschaft, sich in der Freizeit zu engagieren und allenfalls sogar Verantwortung zu übernehmen, schwindet leider merklich!
Gelingt es dir, andere für die Philatelie zu begeistern?
Ja. Es ist sehr wichtig, Positivität auszustrahlen und nicht über Vergangenes zu jammern! Wir sollten vermehrt unsere neuen kommunikativen Systeme in unser Wirken integrieren. In den zehn Jahren meiner präsidialen Aktivitäten ist es gelungen, die Anzahl der Mitglieder trotz altersbedingter Abgänge auf 110 Mitglieder und in der Regio Phila auf 1’300 Mitglieder in 28 Vereinen aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz zu erhöhen.
Jugend resp. Nachwuchs und Philatelie, wie siehst du die Zukunft?
Wir schaffen es nicht, ohne persönlichen Kontakt, die Jugend dafür zu interessieren. Fünf meiner sieben Enkelinnen und Enkel sammeln mit bereichernden Begegnungen mit mir! Das Virus ist implantiert!
Hast du ein Lieblingsstück, das deinen Kanton repräsentiert?
Ja, in meiner Basler Vorphila-Sammlung ab 1356 befinden sich einige Unikate.
Was hat dich ursprünglich zum Sammeln von Briefmarken inspiriert?
In der Schule mit acht Jahren beim Tauschen mit den Gspändli und der Eintausch meiner Modelleisenbahn für eine Altschweiz-Sammlung.
Hast du besondere Erinnerungen oder Geschichten, die mit bestimmten Briefmarken in deiner Sammlung verbunden sind?
Am 14. Januar 2004 habe ich den auf S. 19 abgebildeten Brief von meinem Berater Hans-Ulrich Sieber mit dem Kommentar erhalten: «Dieser Brief gehört in Ihre Basler Sammlung, da auch Sie zu Ihrem Vater eine äusserst positive Beziehung haben!» Vor allem die Adresse ist einzigartig.
Wie siehst du die Rolle der Digitalisierung in der Philatelie? Hat sie deine Sammlung beeinflusst?
Die Digitalisierung macht es möglich, dass jeder im stillen Kämmerlein wirken kann, verhindert aber auch teilweise die wertvollen persönlichen Kontakte. Die Philatelie-Plattformen sind neben den Auktionen eine zeitunabhängige Beschaffungs und Studienmöglichkeit.
Wie wichtig sind dir internationale Kontakte zu anderen Philatelisten?
Regionen und kulturübergreifende Beziehungen helfen mit, andere Einflüsse zu verstehen und positive Verbindungen zu schaffen und zu pflegen.
Wie wichtig ist es für dich, die Geschichte hinter den Briefmarken zu verstehen?
Das Kulturgut Philatelie steht ja für Kultur, Geschichte, Geografie, Kunst, Wirtschaft und vieles mehr.
Ein faszinierender Aspekt der Postgeschichte sind die Briefanschriften. Beim abgebildeten Brief steht das Wesentliche der Briefnachricht bereits auf der Adressseite, nämlich die tiefempfundene Liebesbezeugung des Sohnes seinem Vater gegenüber. Der Brief, datiert 14. April 1690, enthält zusätzlich die Angabe, dass er vor einigen Wochen wohlauf in Öfingen bei Tuttlingen angekommen sei. Transkription der Briefanschrift
«Dieser Brief zukomme meinem vilgeliebten Herrn Vatter Bernhardt Schneider, des Raths, der löbl. Statt Basel, meinem insonders vilgeehrt und lieben Herrn Vatter, ihm selbst eigene Hände Basel
Das Wappen der Stadt Basel sowie des Halbkantons Basel-Stadt ist ein nach links gerichteter schwarzer Krummstab, Baselstab genannt, auf weissem (heraldisch: silbernem) Feld. Die Standesfarben sind Weiss und Schwarz.
Das Sinnbild des Baselstabs ist der gekrümmte Hirtenstab der Bischöfe. Drei Querbalken unterbrechen diesen Stab, der nach unten breiter wird und in drei Zacken ausläuft. Die älteste bekannte Darstellung eines Bischofsstabes findet sich auf Münzen, die im 11. Jahrhundert geprägt wurden. Auf Münzen und Siegeln lässt sich die Entwicklung vom dünnen Stab zu der heraldischen, unten in drei Zipfel auslaufenden Form verfolgen, welche in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts erreicht war.
