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Gespräch mit Pascal Humbert-Droz


Jean-Paul Bach CPhH 
info@bach-philatelie.ch


Pascal Humbert-Droz
ist der Verantwortliche für das Lager und Archiv des VSPhV in Studen BE und arbeitet in einem Teilzeitpensum für die Philatelie-Stiftung «Collection Seeland». Zudem ist er Aktuar beim Philatelistenverein Solothurn und Vizepräsident im Briefmarkensammlerverein Langenthal und Umgebung.

Jean-Paul Bach: Sind BriefmarkensammlerVereine noch zeitgemäss und ist es für dich wichtig, Vereinsanlässe zu besuchen?

Pascal Humbert-Droz: Auch wenn die digitalen Möglichkeiten immer vielfältiger werden, finde ich Sammlervereine sehr wichtig. In den Vereinen kann ein reger Austausch stattfinden und das erlangte Wissen weitergegeben werden (und man kommt so natürlich auch selber zu neuem Wissen!). Die Vereinsanlässe sind wichtig, um die sozialen Kontakte regelmässig zu pflegen – ganz besonders, da das Briefmarkensammeln sonst eher eine introvertierte Tätigkeit ist.

Was denkst du über die Ausgabepolitik der Schweizer Post?

Die ist meiner Meinung nach eine Katastrophe und wohl ein Grund, warum die Philatelie an Attraktivität verliert. Die Herausgabe von derart vielen verschiedenen Briefmarken pro Jahr zielt primär darauf ab, den Sammlern das Geld aus der Tasche zu ziehen und hat mit Service Public nichts mehr zu tun. Und immer mehr Ausgaben sind nicht mal im Abo enthalten. Kopfschütteln bereitet mir auch die Ausgabe von Marken (konkret: Crypto 1.0) mit einem Frankaturwert, der so kaum gebraucht wird, und die Herausgabe von «Sonderbelegen», auf denen längst ungültige Briefmarken nachträglich gestempelt werden.
Ein weiterer Aspekt: Im Postbetrieb hat die Briefmarke offenbar ausgedient. Wenn ich am Postschalter einen Brief aufgebe, wird keine Marke aufgeklebt, sondern ein langweiliger weisser Kleber. Und über die Art, wie die wenigen noch verwendeten Briefmarken entwertet werden, brauche ich wohl nichts zu schreiben. Wenn dies schon in den 1990er-Jahren so gewesen wäre, wäre aus mir bestimmt kein Philatelist geworden (Highlight meiner Kindheit war die Papiersammlung – was ich und meine Freunde in den grossen grünen Containern für Schätze geborgen haben, kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen!).

Hat deine Familie Verständnis für dein Hobby? Und gelingt es dir, andere für die Philatelie zu begeistern?

Wie bei vielen Hobbys ist es für Aussenstehende manchmal schwer nachzuvollziehen, was denn so spannend daran sein soll. Und nüchtern betrachtet, kann Briefmarkensammeln schon sehr langweilig wirken. Darum ist es ja auch so wichtig, sich ein klares Ziel zu setzen und dieses z.B. im Rahmen von Veranstaltungen zu präsentieren.
Ich habe beispielsweise vor einigen Jahren damit angefangen, eine Sammlung über meinen damaligen Wohnort – der Stadt Solothurn – aufzubauen. Schön früh habe ich diese Sammlung an unserer Vereinsbörse ausgestellt und meine Familie und Freunde eingeladen, diese anzuschauen (ja: noch ein Grund warum Vereine wichtig sind!). Seitdem ist mein Umfeld sehr fasziniert von dem was ich mache. An der BERNABA’25 konnte ich meine Sammlung sogar einem grösseren Publikum zeigen, was dazu geführt hat, dass ich an jedem Tag Führungen mit Familie, Freunden oder Arbeitskolleginnen und -kollegen durchführen konnte. Ich war überrascht, wie faszinierend die Leute die Ausstellung fanden, die noch nie mit der Philatelie in Berührung gekommen sind! Darum: «Tu Gutes und sprich darüber.» ☺

Hast du an nationalen oder internationalen Ausstellungen oder Wettbewerben teilgenommen? Welche Erfahrungen hast du dabei gemacht?

Ja, ich habe meine Stempelsammlung zur Stadt Solothurn an der BUBRA’22 und an der BERNABA’25 ausgestellt. Auch wenn so viel Schlechtes über die jurierten Ausstellungen erzählt und geschrieben wird, kann ich das aus meiner persönlichen Erfahrung überhaupt nicht bestätigen: Die Juroren haben meine Sammlung fair bewertet und mir am Jurygespräch konstruktive Inputs gegeben. Auch nach den Ausstellungen sind andere Sammler auf mich zugegangen und es entwickelte sich daraus ein wertvoller Austausch.
Ich empfehle jedem Sammler, seine Sammlung als Exponat aufzuziehen. Eine Teilnahme an einer jurierten Ausstellung ist nicht wichtig, entscheidend ist, dass man sich so viel vertiefter mit dem Sammelgebiet auseinandersetzt und lernt, den Fokus auf das Wesentliche zu legen. Man hat danach viel mehr Freude an seiner Sammlung!

Hast du ein Lieblingsstück, das deinen Kanton repräsentiert?

In meiner Sammlung hat es viele «Lieblingsstücke». Aber ein ganz besonderer Vorphilateliebrief möchte ich dennoch hervorheben. Diesen Brief habe ich mal bei einem Händler gekauft, als ich noch ganz am Anfang meiner Stempelstudie zur Stadt Solothurn war. Erst später ist mir aufgefallen, dass der Brief trotz seines eher unattraktiven Erscheinungsbilds einiges zu bieten hat: Es handelt sich um den bisher einzig bekannten Abschlag dieses Stempels aus der Zeit der Vorphilatelie (im «Winkler» ist dieser Stempel erst ab 1850 aufgeführt). Auch nach 1850 konnte ich bislang nur drei weitere Briefe |Brieffragmente mit diesem Stempel ausfindig machen. Ab Januar 1851 wurden bei dem Stempel nur noch Jahreszahlen mit zwei Ziffern verwendet.

Was sind deine Tipps für Anfänger, die in die Philatelie einsteigen möchten?

Ganz wichtig ist, am Anfang zu überlegen, was man sammeln möchte. Dabei sollte man ein Thema wählen, das einen wirklich interessiert und von dem das Material mit dem verfügbaren Budget beschafft werden kann (ja, Kantonalmarken sind wahnsinnig spannend, aber das kann sich leider nicht jeder leisten …). Wichtig erscheint mir auch die Mitgliedschaft in einem Verein und der Austausch mit den Mitgliedern. Die meisten Philatelisten teilen ihr Wissen gern – man muss nur den Mut haben zu fragen …

Die Philatelie sollten wir alle vermehrt sichtbar machen. Hast du einen Vorschlag, wie man etwas in die Richtung machen könnte?

Spontane Idee: Der Verband könnte einen YoutubeKanal unterhalten, auf dem regelmässig spannende Videos publiziert werden (z.B. Lernvideos, wie man Marken ablöst, wie man Papierarten und Wasserzeichen unterscheidet, worauf man bei einer Sammlung achten muss usw.). Für Hobby-Handwerker gibt es Tausende mehr oder weniger professionelle Tutorials – das wäre, wenn es mit etwas Humor angegangen wird, durchaus eine Chance, die Philatelie sichtbarer zu machen …


Betreibungsandrohung des Fürsprechers Viktor Späti aus Solothurn an Josef Schnider in Breitenbach. Der Brief wurde ursprünglich am 22. Juli 1848 eingeschrieben nach Breitenbach gesendet und wieder retourniert. Am 26. Juli 1848 wurde der Brief erneut nach Breitenbach geschickt.





Das Solothurner Wappen ist waagerecht geteilt, oben rot und unten weiss, wobei die Farben seit 1443 nachgewiesen sind. Es steht in direktem Bezug zum Schutzpatron St. Ursus und dem mittelalterlichen Zeichen der Thebäischen Legion. Es symbolisiert Beständigkeit, während die Farben Rot-Weiss als Standesfarben gelten.